Die Backnanger Künstlergruppe ist eine Berufsgruppe, die 2007 ihr 20-jähriges

Bestehen feierte. Selten, dass eine Vereinigung von Künstlern so lange

zusammenbleibt. Warum das so ist? Das wird letztlich ihr Geheimnis bleiben.

Vermutlich hat es aber mit dem Engagement der Vorsitzenden Elke Vetter und mit dem

respektvollen und freundschaftlichen Umgang der Mitglieder untereinander zu tun.

Eine gemeinsame künstlerische Linie gab es bei der Gründung nicht, stattdessen die

Bereitschaft, sich auf einen Prozess des Austausches einzulassen. Die Aktivitäten der

Mitglieder sind vielfältig. Eines ihrer ersten Projekte war der Skulpturenweg am Ölberg,

der 2006 vollendet wurde. Beim jährlich stattfindenden Stiftshof-Kulturtag gewährt

die Gruppe immer wieder mit überraschend neuer Thematik oder Präsentationsform

einen Blick ins Atelier. Die Bandbreite reicht von gegenstandslosen oder gestischen

Formensprachen über abstrahiert abbildende bis hin zu konzeptuellen Ansätzen.

Zeichnung, Malerei, Fotografie, Druckgrafik, Skulptur und verwandte oder vermischte

Formen sind vertreten.

Für die künstlerische Qualität der Gruppe spricht nicht zuletzt - und schon das hebt

sie über das Niveau des rein ortsbezogenen Zweckbündnisses hinaus - dass ihre

Ausstellungen heute mehr den je eben nicht nur in Backnang gefragt sind.

Wer eine Ausstellung der Backnanger Künstlergruppe besucht, kann darauf zählen,

dass er Zeuge einer steten Wandlung und Entwicklung wird:

Die Mitglieder der Gruppe haben eine künstlerische Perspektive, und sie verstanden

es stets, die Chance der gegenseitigen Anregung zu nutzen und sich immer

wieder künstlerisch zu verjüngen. Die Gruppe hat sich darüber hinaus durch viele

wechselseitige Ausstellungsprojekte mit den Partnerstädten verdient gemacht, was

ihr das oft zitierte Etikett "Kulturbotschafterin" eingebracht hat. Es ist ein Teil ihres

Selbstverständnisses, sich kunstpolitisch einzubringen; ihre Stimme hat in der

städtischen Kulturpolitik Gewicht. Dass ihre Mitglieder nicht allein Kunstproduzenten,

sondern auch Kultur-Ermöglicher sein wollten, wurde am deutlichsten, als sie eine

stadtkulturpolitische Heldentat vollbrachten: Sie haben das Gebäude, das 170 Jahre

lang als Schulhaus diente und in dem heute die städtische Galerie untergebracht ist,

1993 erstmals als Ausstellungsraum (Kulturbaustelle) für die aktuelle Kunst entdeckt,

bespielt, durch weitere Ausstellungen erhalten und die Stadt als Unterstützerin

gewonnen. Damit hat die Gruppe eine Tradition von Ausstellungen im Turmschulhaus

angestoßen, die die heutige, in der städtischen Backnanger Kulturlandschaft fest

etablierte Institution für zeitgenössische Kunst erst ermöglicht hat.


Textauszug von Martin Schick aus dem Katalog